Tauchen

2 Die Wahrnehmung verändert sich beim Tauchen.
Sehen, Hören und der Wäremhaushalt unterliegen unter Wasser anderen phyikalischen Eigenschaften als an der Luft.
Jeder Taucher sollte - zu seiner eigenen Sicherheit - diese Gesetze nicht nur können, sondern auch verstanden haben. Das folgende Kapitel fasst die wichtigsten Gesetze des Tauchens zur Wahrnehmung zusammen und erklärt sie.

01 Gasgesetze
02 Wahrnehmung
03 Tauchgangsberechnung
04 Tauchgangsplanung
05 Nitrox
06 Gerätekunde
07 Tauchmedizin

2. Wahrnehmung unter Wasser

2.1 Sehen

Durch die Lichtbrechung (Licht wechselt von einem Medium in ein anderes) - im Falle eines Tauchers von Luft durch das Glas der Taucherbrille ins Wasser - wird der Lichtstrahl abgelenkt. Dadurch erscheint einem Taucher unter Wasser alles um:

  • 1/3 größer
  • 1/4 näher

als es in Wirklichkeit der Fall ist.

Durch die Lichtstreuung wird das (weiße) Tageslicht in seine Spektralfarben aufgeteilt.
Durch die Absorption (=Dämpfung durch das Wasser) werden diese Farben in unterschiedlichen Wassertiefen (also nach unterschiedlich langen Wegen durch das Wasser) "aufgezehrt".

Folgende Farben sind ab folgenden Tiefen nicht mehr zu sehen:

Tiefe

Farbe verschwindet

5 m

Rot

15 m

Orange

30 m

Gelb

50 m

Grün

> 60 m

Violett

2.2 Hören

Der Mensch kann unterscheiden, ob ein Ton (Schallwelle) zuerst das linke oder das rechte Ohr getroffen hat. Das Auflösungsvermögen beträgt 0.00003 s.
An der Luft beträgt die Schallgeschwindigkeit ca. 340 m/s, unter Wasser ca. 1450 m/s. Der Schall ist unter Wasser also etwa 4-mal so schnell.
Ein Ton, der von einem Menschen unter Wasser wahrgenommen wird erreicht beide Ohren unter der Zeit, die ein Mensch auflösen kann. Somit kann von einem Menschen unter Wasser (ohne Hilfsmittel) nicht mehr sicher festgestellt werden, woher ein Geräusch kommt.
Deshalb Achtung bei Geräuschen unter Wasser (z.B. Motorgeräusche).

2.3 Wärme

Wärme kann auf 3 Arten übertragen werden:

  • Leitung (z.B. Wasser an Körper)
  • Strömung (z.B. Atem)
  • Strahlung (z.B. Sonne)

Bereits ab einer Wassertemperatur von 21 OC gibt der Körper im Wasser mehr Wärme ab, als er aufnehmen kann und kühlt somit aus. Dagegen schützt sich der Taucher durch Neopren. Das Neopren (eingeschlossene Luftbläschen) wird aber (durch das Gesetzt von Boyle-Mariotte) mit zunehmender Tiefe zusammen gedrückt.

  • in 10 m nützt der Neoprenanzug nur noch die Hälfte,
  • in 20 m nützt der Neoprenanzug nur noch ein Drittel,
  • in 50 m nützt der Neoprenanzug nur noch ein Sechstel, usw.

Etwa 10 % der Wärmeabgabe erfolgt über die Atmung. Mit zunehmender Tiefe erfolgt der Austausch einer größeren Gasmenge und somit steigt auch die Wärmeabgabe durch die Atmung. Sie kann für einen Taucher dadurch auf bis zu 40 % der Gesamtwärmeabgabe ansteigen!

2.4 Verdunstung

Beim Füllen einer Tauchflasche wird durch die Druckerhöhung (200 bar) der Wasserdampf aus der Atemluft gedrückt (Der Sättigungsdampfdruck bei ca. 20 OC an der Luft beträgt 23.3 mbar.
2000 bar l Luft enthalten ca. 34.6 g Wasserdampf, in einer 10 l Tauchflasche bei 200 bar nur noch (10/1000) * 34.6 g = 0.17 g. Die restlichen 34.43 g werden bei der Kompression durch Kondensation abgeschieden. Beim Tauchen muss diese Feuchtigkeit vom Taucher zugesetzt werden. Bei 10 m Tauchtiefe beträgt der Wasserdampfdruck ca. 63 mbar (37 OC) mit 2 bar Totaldruck. Zu den 0.17 g Feuchtigkeit aus der vollen 10 l Flasche müssen vom Taucher so nochmals 44.6 g Wasser hinzugefügt werden. Das macht nicht nur durstig, sondern kostet dem Körper auch ca. 100 KJ Energie (durch die notwendige Verdunstung).